PMCA Impuls Report / 18.3.2019 / Von der Einzelpraxis zum Primary Healthcare Center

PMCA Impuls Report / 18.3.2019 / Von der Einzelpraxis zum Primary Healthcare Center

Im Fokus des PMCA-Impulses am 18. März 2019 stand die Entwicklung der Primärversorgungseinheiten in Österreich. Keynote-Speaker waren diesmal Dr. Matthias Cerha und Dr. Regina Ewald.

Durch die Einführung des Primärversorgungsgesetzes im Jahre 2017 wurde die Gründung von den sogenannten Primärversorgungseinheiten (PVE) – auch Primary Healthcare Center genannt – in Österreich ermöglicht. Dies ist eine weitere Maßnahme zur Weiterentwicklung der Primärversorgungsstruktur, die bei einer gleich hohen Qualität der Betreuung für einen vereinfachten Zugang zu Gesundheitsleistungen sorgt. Bis 2021 sollen 75 PVE österreichweit errichtet werden.

Der aktuelle PMCA-Impuls erörterte die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um die Primärversorgungseinheiten sowie interessante Erfahrungen aus der Praxis dieser Zentren. Als Keynote-Speaker traten diesmal Dr. Matthias Cerha, LL.M., Anwalt mit Schwerpunkt Life Sciences, Arzneimittelrecht und Medizinprodukterechte bei der Knirsch Gschaider Cerha Rechtsanwälte OG, und Dr. Regina Ewald, MAS, Ärztin für Allgemeinmedizin und sachverständige Ärztin gemäß § 34 FSG in der Primary Healthcare Center Donaustadt, auf. Durch den Abend führte Dr. Michael Kreppel-Friedbichler, Disease Area Strategy Director bei Roche Austria und PMCA-Vorstandsmitglied.

„16 Primärversorgungseinheiten gibt es momentan in Österreich, zwei davon in Wien. Dabei handelt es sich vorwiegend um Gruppenpraxen für Allgemeinmedizin. Die Primärversorgungseinheiten sind durch das eigene Gesetz geregelt, das seit August 2017 in Kraft ist. Eine PVE kann nur durch Allgemeinmediziner und Kinderärzte geführt werden“, erklärte Cerha. „Die PVE können in Form von Gruppenpraxen, selbstständigen Ambulatorien oder Netzwerken organisiert werden. Keines von den bestehenden 16 Primary Healthcare Centern ist derzeit eine Primärversorgungseinheit im Sinne des geltenden Gesetzes. Der Grund dafür ist das Fehlen eines Gesamtvertrags, denn das Gesetz sieht einen verpflichtenden Kassenvertrag für jede PVE vor. Man erwartet jedoch, dass es noch heuer einen Gesamtkassenvertrag für PVE mit der Wiener Gebietskrankenkasse geben wird.“

Als Rechtsträger von PVE können laut Cerha Gruppenpraxen, Krankenanstalten in Betriebsform selbstständiger Ambulatorien oder Netzwerke bestehend aus Ärzten, Gruppenpraxen und nichtärztlichen Angehörigen von Gesundheits- und Sozialberufen oder deren Trägerorganisationen fungieren.

Blick in die Praxis

Dr. Regina Ewald, MAS, gab einen Einblick in die Praxis des Primary Healthcare Centers Donaustadt, das aus drei Allgemeinmedizinerinnen, anderen Gesundheitsberufen wie diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern sowie einer Psychotherapeutin und einer Diätologin besteht und in dem täglich zwischen 70 bis 120 Patientinnen und Patienten betreut werden. „Die Primärversorgung ist eine allgemeine und direkt zugängliche erste Kontakstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Dort muss eine umfassende Grundversorgung gewährleistet werden. Die Primärversorgung soll aber auch den Versorgungssprozess koordinieren sowie eine ganzheitliche und kontinuierliche Betreuung von Patientinnen und Patienten bieten. Ziel von PVE ist also, weniger Patientinnen und Patienten zu Fachärzten und Krankenhäusern zu überweisen“, so Ewald, die auf einen internationalen Trend zur Gründung von Primärversorgungseinheiten in Europa, besonders in Großbritannien, den Benelux- und skandinavischen Ländern, hinwies.

„In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Lücke von 540 Hausärztinnen und Hausärzten mit Kassenstellen in Wien haben. Diese Lücken wird man nicht nur durch die Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, sondern auch zu einem großen Teil durch andere Gesundheitsberufe füllen müssen. Daher sollen diese Berufe aufgewertet werden und wir brauchen für diese auch mehr flexible Arbeitszeitmodelle“, sagte Ewald.

Über den PMCA

Seit seiner Gründung stellt der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) eine Plattform mit dem Schwerpunkt “Marketing im Gesundheitswesen” für Agenturen, Pharmafirmen, Verlage, Dienstleister und andere medizin-orientierte Unternehmen dar. Der PMCA bezeichnet sich selbst als „Netzwerk des Wissens“ und hat sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen und Trends für den Gesundheitsmarkt aufzuspüren und Impulse zu setzen, aber vor allem die einzelnen Marktteilnehmer miteinander zu vernetzen. 2015 feierte der Pharma Marketing Club Austria sein 20-jähriges Bestehen.

Rückfragehinweis:
Dr. Nedad Memic
PR-Consultant
Welldone Werbung und PR 
01/402 13 41-47
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