PMCA Impuls Report / 18.9.2017 / Auswirkungen des Brexit auf das EU-Netzwerk

PMCA Impuls Report / 18.9.2017 / Auswirkungen des Brexit auf das EU-Netzwerk

Mit der Absichtserklärung Großbritanniens, die EU zu verlassen, wurde formal eine zweijährige Verhandlungsperiode bis Ende März 2019 ausgelöst. Innerhalb dieser Frist muss die Frage der Neuverteilung der Regulierungsarbeit zwischen den verbleibenden 27 EU- Mitgliedsstaaten geklärt und auch ein neuer Standort für die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) gefunden werden. Wien befindet sich unter den 19 europäischen Städten, die ihr Interesse bekundet haben. Die sechste Impulsveranstaltung des Pharma Marketing Club Austria (PMCA) in diesem Jahr beleuchtete diese Thematik sowohl aus Sicht der EU als auch aus lokaler Sicht.

Das Netzwerk der EU-Agenturen wurde von den Mitgliedstaaten und den Organen und Einrichtungen der Europäischen Union (EU) errichtet und mit speziellen rechtlichen, technischen und wissenschaftlichen Aufgaben betraut. Die Arbeit der 45 dezentralen EU-Agenturen, die auf die verschiedenen EU-Mitgliedstaaten verteilt sind, hat tägliche Auswirkungen auf das Leben von 500 Millionen EU-Bürgern. Die Agenturen tragen zur Umsetzung von EU-Politiken in einem breiten Spektrum von Fachgebieten bei, darunter Gesundheit und Sicherheit, Freiheit und Recht, Innovation, Forschung und Wirtschaft sowie Verkehr und Satellitensysteme.

Ein ausgewogenes und starkes europäisches regulatorisches Netzwerk ist für das Gesundheitswesen in Europa von entscheidender Bedeutung. Die Gewährleistung einer langfristigen Nachhaltigkeit des EU-Netzwerks stellt eine enorme Herausforderung dar und steht durch den Brexit vor zusätzlichen Anforderungen. Da Großbritannien bisher 16-20 Prozent der gesamten Aufgaben des EU-Netzwerks übernommen hat, müssen diese zukünftig auf die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten verteilt und vorhandene Ressourcen aufgestockt werden um eine Kontinuität der Arbeit gewährleisten zu können.

Wiens Chancen als neuer EMA-Standort

Beim sechsten PMCA-Impuls dieses Jahres unter der Moderation von Mag. Erika Sander erörterte DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin AGES Medizinmarktaufsicht und Vorsitzende des EMA-Management Boards, Wiens Chancen, das Rennen um den EMA-Standort für sich zu entscheiden. Für Wien spreche zum einen seine Lage im Herzen Europas und die damit verbundene gute Erreichbarkeit. Zum anderen biete die Bundeshauptstadt aufgrund ihrer hochkarätigen wissenschaftlichen Landschaft und visionärer Forschungscluster der EMA als Ansiedlungsort optimale Bedingungen. „Darüber hinaus ist die österreichische Arzneimittel-Agentur (AGES MEA) jetzt schon ein starker Partner der EMA und zählt zu den führenden Arzneimittelagenturen Europas. Sie ist nicht nur Top-Performer hinsichtlich EMA-bezogener Aktivitäten: Die AGES MEA liefert auch eindrucksvolle Statistiken bei dezentralen Aufgaben. Unsere Inspektionsaktivitäten sind anerkannt und unsere Strategie ist auf einen weiteren Ausbau dieser Aufgaben ausgerichtet“, so Wirthumer-Hoche. Abschließend konkludierte sie, dass die AGES MEA bereits ein zuverlässiger und effizienter Partner sowohl für die EMA, die Pharmaindustrie und Patienten als auch für alle Stakeholder sei. Die Entscheidung über einen neuen Standort der EMA wird einvernehmlich auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten am 20. November 2017 getroffen werden.

Österreich als Produktionsstandort für Pharmaunternehmen – Vorzüge und Herausforderungen

Im zweiten Impulsvortrag des Abends thematisierte Martin Dallinger, Leiter von Pfizer Global Supply in Orth an der Donau, Österreichs Vorzüge als  Produktionsstandort für Pharmaunternehmen. Zu den erfolgsversprechenden Eigenschaften, die den Standort Österreich besonders attraktiv machen, zählen: wirtschaftliche Stabilität, niedrige Kriminalitätsrate, gut ausgebildete Fachkräfte, geringe Anzahl an Streiks und kaum Ausfälle in der Energieversorgung. „Die heimische pharmazeutische Industrie beschäftigt 18.000 Mitarbeiter, die täglich dazu beitragen, dass wir mehr gesunde Lebensjahre erleben, weniger krank sind, oder schneller wieder gesund werden“, führte Dallinger aus. Um den großen Stellenwert der Pharmaindustrie, die rund 150 Unternehmen in Österreich umfasst, zu untermauern, gab er einen Überblick über die positive Bilanz: 2016 wurden 9,6 Mrd. Euro an Wertschöpfungsanteil geschaffen, 1.600 Arbeitsplätze gesichert sowie 37 Millionen Euro an lohnabhängigen Steuern und Abgaben generiert.

Neben den vielen Vorzügen des Produktionsstandortes Österreich sind hier produzierende pharmazeutische Unternehmen auch mit einigen Herausforderungen konfrontiert, erklärte Dallinger. Ein wichtiger Faktor sei Zeit, denn viele Prozesse sind komplex und dauern entsprechend lange. Wesentlich wäre zudem, dass Unternehmen, Politik und Behörden an einem Strang ziehen, um Projekte eher auf den Boden zu bringen, was leider nicht immer der Fall ist. Darüber hinaus müsste sich Österreich folgende Fragen stellen: Sind wir in Sachen Ausbildung fit für die Zukunft? Sind unsere Arbeitszeitmodelle noch zeitgemäß? Steuerliche Anreizsysteme wären ebenfalls ein Attraktivitätsplus. Dallinger fasste abschließend zusammen: „Wir sind gut, aber wir dürfen uns nicht ausruhen und müssen weiterhin daran arbeiten, ein lautes ‚JA‘ zum Standort Österreich zu generieren.“

An die spannenden Impulsvorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion an, bevor der Abend bei einem gemütlichen Get-Together seinen Ausklang fand.

Über den PMCA:

Seit seiner Gründung stellt der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) eine Plattform mit dem Schwerpunkt „Marketing im Gesundheitswesen“ für Agenturen, Pharmafirmen, Verlage, Dienstleister und andere medizin-orientierte Unternehmen dar. Der PMCA bezeichnet sich selbst als „Netzwerk des Wissens“ und hat es sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen und Trends für den Gesundheitsmarkt aufzuspüren und Impulse zu setzen, aber vor allem die einzelnen Marktteilnehmer miteinander zu vernetzen. 2015 feierte der Pharma Marketing Club Austria sein 20-jähriges Bestehen.

Weitere Informationen sowie alle Termine finden Sie unter www.pmca.at

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.