PMCA Impuls-Report / 26.1.2015 / Ökonomie und Verschreibungs-Verhalten

PMCA Impuls-Report / 26.1.2015 / Ökonomie und Verschreibungs-Verhalten

Der erste PMCA-Impuls des Jahres 2015 widmete sich dem Thema Ökonomie und Verschreibungs-Verhalten im Gesundheitswesen. Im ‚SAAL’ der Labstelle, der neuen Location der PMCA Impuls Veranstaltungen, wurde über ökonomische Komponenten diskutiert, die Strukturen, Abläufe und Entscheidungen im Gesundheitswesen beeinflussen.

Wien, am 06.02. 2015 – Mag. Hanns KRATZER (PERI Consulting) eröffnete den Abend mit einem kurzen Querschnitt der Materie, welche in den Vorträgen der beiden Referenten näher beleuchtet wurde. Sowohl im extra- als auch intramuralen Bereich gelten bei Kassenrezepten und Patientenentlassungen für Ärzte strenge ökonomischen Regeln. Dr. Ernest G. PICHLBAUER (Mediziner und unabhängiger Experte) beleuchtete das Gesundheitsthema aus der Meta-Ebene. Dr. Erwin REBHANDL (Präsident AM Plus, Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit und niedergelassener Allgemeinmediziner) –  aus dem Blickwinkel des medizinischen Alltags.

Begriffliche Trennung als Ausgangsbasis

Dr. Ernest Pichlbauer eröffnete den Vortrag mit der wichtigen Abgrenzung zwischen den Begriffen ‚System‘, ‚Versorgung‘, ‚Behandlung‘ – gleichbedeutend in ihrer Funktion für das Gesundheitssystem, aber unterschiedlich in ihrer Interpretation.

„Die Basis der Behandlungsebene ist durch die Arzt-Patienten-Beziehung definiert, welche 80 Prozent der Ressourcen im Gesundheitswesen benötigt. Die Versorgungsebene ermöglicht erst die Behandlung – sprich der richtige Patient kommt zur richtigen Zeit  zum richtigen Arzt.“  Während in Ländern wie Großbritannien oder Dänemark Strukturen für ein integriertes Gesundheitssystem aufgebaut wurden, existieren im österreichischen Gesundheitswesen nebeneinander unabhängige Sub-Systeme, wo moderne Versorgungskonzepte wie Primary Health Care kaum greifen. „In einem integrierten System sind Prävention, Kuration, Rehabilitation, Pflege und Palliativbehandlung so aufeinander abgestimmt, dass Patienten zum richtigen Zeitpunkt, an der richtigen Stelle die richtige Leistung erhalten.“

Gesundheitsökonomie vs. Ökonomie im Gesundheitswesen

Pichlbauer analysierte im Laufe des Vortrages die Begriffe in ihrer Essenz und zog damit eine klare Linie zwischen ihnen: „Die Gesundheitsökonomie beschreibt den Kostenverbrauch pro Patienten-Nutzeneinheit und kalkuliert direkte sowie indirekte Kosten. Dazu gehören u.a. eine Risikobewertung in der Behandlung, sowie ein Nutzungsmessen anhand einer QALY-Analyse“,  während „Ökonomie im Gesundheitswesen nur direkte Kosten einer leistungserbringenden Einheit wie Spital,  Ordination oder pro Durchschnittspatient berechnet.“  Aber, so Pichlbauer, es gibt im Gesundheitswesen eine dritte Ökonomie, die als unsichtbare Kraft auftritt. „Die politische Ökonomie misst sich in einem Stimmengewinn-oder Verlust pro einer real durchgeführten Maßnahme“, so Pichlbauer. „Viele (Gesundheit)-ökonomische Zwänge sind in Wahrheit Maßnahmen der politischen Ökonomie.“ Durch die verschiedenen Finanzierungsstrukturen im Gesundheitswesen ist eine patientenorientierte Kosten-Nutzen-Betrachtung unmöglich und niemand wird von indirekten Kostenvorteilen einer verbesserten Versorgung profitieren.“ Dieser Umstand wirkt sich auf die Versorgungsebene aus, denn durch eine schlechte Versorgungslage werden mögliche ‚Kostenvorteile‘ einer verbesserten Therapien unmöglich und „werden diese nicht realisiert, ist medizinischer Fortschritt unfinanzierbar“, lautete das Resümee von Pichlbauer.

Einblick in die Praxis

Der zweite Keynote-Speaker des Abends, Dr. Erwin Rebhandl aus Oberösterreich, widmete sich dem Spannungsfeld der ökonomischen Vorgaben in der täglichen Praxis eines niedergelassenen Arztes. Gerade im niedergelassenen Bereich befindet sich der Arzt im Spannungsfeld durch die Erstellung der besten Therapie unter ökonomischen Gesichtspunkten und wissenschaftlichen Vorgaben. Die Leitlinien konforme Behandlung nach dem aktuellen Wissensstand, muss dabei genauso berücksichtigt werden wie Behandlungsvorgaben der Fachärzte und Krankenhäuser und die Patientenwünsche. „Ein niedergelassener Arzt muss viele Aspekte bei der Erstellung eines Therapieplanes vereinen. Patienten werden mit Therapieplänen und Medikamenten aus den Spitälern entlassen, welche wir unter ökonomischen Gesichtspunkten in der Praxis umsetzen müssen.“

Hausärzte erhalten monatliche Information über ihr Verschreibungsverhalten seitens des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und quartalsmäßig von den regionalen Gebietskrankenkassen. In diesen periodischen Informationen des Hauptverbandes wird ein monatlicher Überblick über das Verschreibungsverhalten aufgezeigt sowie direkte Verschreibung und Kosten, die sich aus den monatlichen Apothekerabrechnungen ergeben. „Die periodische Information weißt auch immer wieder auf den ökonomischen und wirtschaftlichen Grad von Medikamenten in der gleichen Preiskategorie hin“, denn der Arzt ist verpflichtet, primär ein Medikament in der Therapie zu wählen, welches bei gleicher Wirksamkeit das kostengünstigste ist.

EKO | Klare Richtlinien sowie persönliche Information zur Einsparung

Im Erstattungskodex werden klare Regeln für die Bewilligung von RE1 und RE2 Produkten angeführt. Weichen bei einem Patienten die Faktoren von diesen Regeln ab, müssen diese beim ABS-Bewilligungsansuchen extra angeführt werden.

Die Gebietskrankenkasse versendet an ihre Vertragspartner zusätzlich eine Auswahlliste mit  geeigneten Generika, die bei Substitution von Original-Präparaten Einsparungspotential aufweisen, „…aber zu dem Zeitpunkt, wo diese Aufstellung postalisch zugestellt wird, verschreibt man meist bereits wesentlich mehr Generika als zum  Zeitpunkt der Erhebung. Die berechnete Einsparung bezieht sich jedoch immer auf das billigste Generikum. Andererseits werden Originalpräparate sehr rasch dem Generika-Preisniveau angepasst und Originalpräparate werden auch bei gleichem Preis nicht in die sogenannte Generikaquote eingerechnet.“ Die Abteilung ‚Behandlungsökonomie‘ der Gebietskrankenkasse sendet in regelmäßigen Newslettern zusätzliche Informationen über den Nutzen von neuen Präparaten, die oft keinen zusätzlichen Vorteil aufweisen, „allerdings decken sich diese Informationen nicht immer gänzlich mit den Leitlinien der jeweiligen Fachgesellschaften.“ Die korrekte Dokumentation von Verordnungen ist für die Abrechnung essentiell, denn „zusätzlich können  gewisse Verordnungen – wie RE 1 und RE 2 – nachträglich von der Sozialversicherung überprüft werden. Inkorrekte Dokumentation führt zur direkten Verrechnung der Kosten an den Arzt“, so Rebhandl. Für die Praxis ergibt sich aus den geschilderten Prozessen im Alltag einer  niedergelassenen Praxis „ein Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und der besten Behandlung nach modernsten Wissensstand in der Medizin. Während für die Sozialversicherung klar die Ökonomie im Zentrum der Überlegungen steht, sind Ärzte zur leitliniengerechten Therapie verpflichtet“, lautete das Abschluss-Statement des praktischen Arztes aus Oberösterreich.

 

ÜBER DEN PMCA:

Seit seiner Gründung stellt der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) eine Plattform mit dem Schwerpunkt “Marketing im Gesundheitswesen” für Agenturen, Pharmafirmen, Verlage, Dienstleister und andere medizin-orientierte Unternehmen dar. Der PMCA bezeichnet sich selbst als „Netzwerk des Wissens“ und hat sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen und Trends für den Gesundheitsmarkt aufzuspüren und Impulse zu setzen, aber vor allem die einzelnen Marktteilnehmer miteinander zu vernetzen. 2015 feiert der Pharma Marketing Club Austria sein 20-jähriges Bestehen.

 

Rückfragehinweis:

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Mag. (FH) Martina Dick | Karin Schneck, BA | Public Relations

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Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.