PMCA Impuls-Report / 18.2.2013 / Lobbying-Gesetz & Pharmamarkt in Zahlen

Mit 1. Jänner 2013 trat das Lobbying- und Interessensvertretungs-Transparenz-Gesetz (LobbyG) in Kraft. Feri Thierry, Präsident der Österreichischen Public Affairs Vereinigung (ÖPAV), berichtete im Rahmen der PMCA-Fortbildungsreihe im Saturn-Tower am 18. Februar über aktuelle Entwicklungen rund um das Gesetz, Übergangsfristen und die Eintragung in das neu geschaffene Lobbying- und Interessenvertretungsregister. Mag. Erika Sander, Marketing Director & Senior Manager Commercial bei IMS Health, ließ im Anschluss die Entwicklungen des Pharmamarktes 2012 Revue passieren und gab einen Ausblick auf das Jahr 2013.

Im Rahmen der zweiten Fortbildung des Pharma Marketing Club Austria (PMCA) im Jahr 2013 gingen Feri Thierry und Ines Windisch auf die dringendsten Fragen rund um das neue Lobbying Gesetz ein, welches seit 1. Jänner in Kraft ist. Die Übergangsfrist läuft noch bis 31. März, ab dann wird das Gesetz exekutiert und eine Nicht-Eintragung von Lobbyisten mit Geldstrafen von bis zu 60.000 Euro bzw. einem Berufsverbot belegt. Im Wesentlichen geht es derzeit darum noch einige offene Fragen, einerseits das Gesetz betreffend und andererseits auch technischer Natur, die Registratur betreffend, zu klären. Feri Thierry und die ÖPAV stehen dazu in ständigem Austausch mit dem Justizministerium und appellieren an die Unternehmen, den Start zur Registratur nicht mehr zu lange hinauszuzögern: Das Prozedere ist umfangreich und langwierig. Feri Thierry sieht das Lobbying-Gesetz aber als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung und auch im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung als das richtige Signal.

 

Genaues Screening der Jobprofile der Pharmaindustrie

Ines Windisch, Präsidentin des PMCA, stellte Tipps und Tricks zur Praxis vor: In Kooperation mit der ÖPAV und dem FOPI (Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie) wurde erarbeitet, welche konkreten Jobprofile der Pharmaindustrie hinsichtlich einer Registrierung im Lobbyingregister in Betracht gezogen werden sollen und welche weggelassen werden können. „Die Entscheidung welche Mitarbeiter in das Lobbyingregister eingetragen werden, obliegt letztlich dem Unternehmen selbst. Wichtig erscheint uns, zu dokumentieren, wer eingetragen wurde, warum der oder die betreffende Person eingetragen wurde und warum andere Mitarbeiter wiederum nicht eingetragen wurden“, erklärt Windisch. Als eine allgemeine Faustregel zur Bewertung einzelner Jobprofile hinsichtlich einer Eintragung ist zu hinterfragen, ob der betreffende Mitarbeiter mehr als 5% Prozent seiner Gesamtarbeitszeit in Kontaktarbeit und Lobbyingtätigkeit investiert. So hat ein Arbeitskreis des FOPI die Positionen „Head of Public/Governmental/External Affairs“ und „Head Public Vaccines, Key Account Manager Public Vaccines, MSL“ als jene identifiziert, die wahrscheinlich in fast allen Unternehmen der Pharmaindustrie in das Lobbyingregister eingetragen werden sollten. Unterschiedlich sei die Position des Geschäftsführers zu bewerten: „In internationalen Konzernen sind Geschäftsführer meist nicht in einem Ausmaß an Public Affairs beteiligt, welches eine Eintragung in das Lobbyingregister notwendig machen würde. Dagegen wird der Geschäftsführer eines mittelständischen oder kleinen, nationalen Pharmaunternehmens eher Lobbyingaktivitäten durchführen und sich regelmäßig mit Funktionsträgern austauschen“, führt Windisch weiter aus. „Unser aller Ziel muss sein, dass gerade die Pharmaindustrie transparent vorgeht, und dass letztendlich weder zu viele noch zu wenige eingetragen werden, sondern all jene, die wirklich ins Lobbyingregister eingetragen gehören“, betont Ines Windisch abschließend. Bei Fragen und Problemen können sich alle PMCA-Mitgliedsunternehmen an office@pmca.at wenden. Die Anfragen werden umgehend beantwortet.

 

Entwicklungen am Pharmamarkt und ihr Einfluss auf die Zukunft

Mag. Erika Sander, Marketing Director & Senior Manager Commercial bei IMS Health, stellte im zweiten Teil des Abends die aktuellen Gegebenheiten und Entwicklungen des Pharmamarktes dar. Dabei standen sowohl internationale als auch lokale österreichische Entwicklungen im Zentrum, die den Pharmamarkt maßgeblich im vergangenen Jahr geprägt und im aktuellen Jahr beeinflussen werden.

 

Laut Daten des IMS Health sind die Ausgaben für Medikamente ab 2012 (800 Mrd. US Dollar) erneut im Steigen begriffen und werden 2016 die Marke von 1,2 Billionen US Dollar erreichen. Besonders stark werden die sogenannten „pharmerging markets“ (Argentinien, Ägypten, Indonesien, Mexiko, Pakistan, Polen, Rumänien, Südafrika, Thailand, Türkei, Ukraine, Venezuela) und BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) mit einem Wachstum im zweistelligen Bereich beitragen. Dagegen verlangsamt sich das Wachstum in den Top 5 der EU (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK), Deutschland wird Ende 2012/2013 seinen 3. Platz an China verlieren. Für Österreich ist bis 2016 ein Wachstum von 2 bis 5% prognostiziert. Das Wachstum kommt in den 27 EU-Ländern vor allem aus den Spezialmärkten – 2012 noch mit 58 Mrd. US Dollar bewertet und 2016 mit einem Volumen von etwa 69 Mrd. US Dollar. Die starken Wachstumsträger werden hier Medikamente für Multiple Sklerose, Autoimmunerkrankungen, Antivirale Mittel, Immunsuppresiva, Onkologika sein, neben Medikamenten zur Therapie für Volkskrankheiten Diabetes oder COPD. Blockbuster Launches (umsatzstarke Medikamente, die mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr Umsatz bringen) wird es auch künftig geben, aber in geringerer Anzahl und geringerem Ausmaß. Der patentgeschützte Markt wird also kleiner und sich in sehr speziellen Indikationen mit kleiner Patientengruppen bewegen. Insgesamt wird sich der patentgeschützte Markt verringern und 2016 nur noch 88% der Marktgröße von 2011 ausmachen.

 

Rückblick 2012 und Prognose für Österreich (2013 bis 2016)

Derzeit steht der Pharmamarkt in Österreich bei rund 4 Mrd. US Dollar, bis 2016 mit einem Wachstum von durchschnittlich 2 bis 5%. Im Vergleich dazu ist für die stärksten fünf EU-Länder ein durchschnittliches Wachstum von 0,9 bis 2,1% prognostiziert. In Österreich werden die Spezialmärkte, Impfstoffe und Primarycare das Wachstum tragen. Das abgelaufene Jahr 2012 wird wie folgt bewertet: Insgesamt verzeichnet der Pharmamarkt nach Umsatz ein Wachstum von 1,5%, nach Absatz ging der Markt um -0,2% zurück, wobei das stärkste Negativ-Wachstum im Krankenhausmarkt festgestellt wurde (+ 2,1% Erlöse, aber -3,7% Volumen). Der Retail-Markt (ca. 70% Marktanteil) zeigte sich stabil mit einem Wachstum von 1,2% nach Umsatz respektive 0,2% nach Absatz. OTC-Produkte lagen bei einem Marktanteil von 14% (Umsatz) und 28% (Absatz). Für das Jahr 2013 zeichnet sich folgendes Bild ab: Der Krankenhausmarkt wird im Vergleich zu 2011/2012, wie in den vergangenen Jahren nach Umsatz stärker wachsen als der Retailmarkt (2% vs.1,5%). Das höchste Wachstum ist im Bereich der OTC-Produkte zu erwarten, wobei nur nicht registrierte OTC Produkte zunehmen werden (10%). Bis 2016 werden 17 Patentabläufe im klassischen Bereich bzw. in der Onkologie stattfinden, die dann durch günstigere Generika abgelöst werden.

 

Strategien im veränderten Pharmamarkt

Nun gilt es für die Unternehmen sich intensiv mit den verschiedensten unternehmensinternen und äußeren Einflussfaktoren auseinanderzusetzen, um künftig erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Der Markt wird spezieller, es gilt sich mit mehr und sehr unterschiedlichen Gruppen zu beschäftigen, um in der zunehmend personalisierten medizinischen Versorgung erfolgreich sein zu können“, erklärt Mag. Erika Sander. Ein wesentlicher Faktor kann dabei sein, den Patienten direkt stärker zu servicieren. Eine weitere Strategie ist, sich mit allen Stakeholdern stärker zu vernetzten um gemeinsam Modelle einer integrierten Gesundheitsversorgung entwickeln zu können. Nicht zuletzt bieten neue Technologien und Kommunikationskanäle vielfältige Möglichkeiten Ärzte, Patienten und den eigenen Außendienst stärker einzubinden und daraus neue Geschäftsmodelle zu erarbeiten, in denen sich zu Pharmaunternehmen zu integrierten Service-Anbietern und Gesundheitsmanagern entwickeln können.


Über den PMCA

Der Pharma Marketing Club Austria ist eine Diskussions- und Kommunikations-Plattform für alle TeilnehmerInnen am Gesundheitsmarkt. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 bietet der PMCA seinen Mitgliedern regelmäßige Impulse, Workshops und Exkursionen an, die Weiterbildung, Diskussionen und Know-How Transfer ermöglichen. Mittlerweile profitieren über 450 Mitglieder vom regen Wissensaustausch sowie dem Networking und erfahren die neuesten Trends auf dem Gesundheitsmarkt aus erster Hand.