PMCA Impuls-Report / 17.2.2014 / Pharma-Markt 2013 / Trends 2014 / Newcomer: Switches

PMCA Impuls-Report / 17.2.2014 / Pharma-Markt 2013 / Trends 2014 / Newcomer: Switches

Weltweit hat der Pharma-Markt ein Volumen von 1 Trillionen US-Dollar erreicht[1]. Ein großer Anteil daraus generiert sich aus den sogenannten Pharmerging Markets, also aus den hohen Nachfragen der Schwellenländer. In Österreich umfasst der Pharma-Markt 4.2 Milliarden US Dollar, für 2013 lag das Wachstum bei 1,9% nach Absatz.[2] Im Hinblick auf die Anzahl der RX-OTC-Switches liegt Österreich in der EU an vorletzter Stelle.

(Wien, 18. Februar 2014) – Beim zweiten PMCA-Impuls im Jahr 2014 widmet sich Mag. Erika Sander, Senior Manager Commercials, IMS HEALTH Austria, den aktuellen Ergebnissen des Pharma-Markts 2013 sowie den für 2014 zu erwartenden Trends. Unter Einbezug des Publikums diskutierten im Anschluss Dbw. Stefan König, Managing Direktor von Takeda Pharmaceuticals Austria, und Dr. Gerhard Lötsch, Präsident der IGEPHA, über die momentane Bedeutung von Switches bzw. einzelner Produkte für den österreichischen Pharma-Markt sowie die Zukunftsperspektiven von OTC-  Präparaten unter medizinischen sowie gesundheitsökonomischen Aspekten.

Internationale Trends und österreichische Zukunftsperspektiven

Ihr Impulsreferat eröffnete Erika Sander mit dem Wachstum des weltweiten Pharma-Markts durch die Pharmerging Markets und beschrieb die Erwartungen für die nahe Zukunft: „Für die kommenden Jahre 2014 bis 2017 kann aufgrund von Launches in den Spezialmärkten auch wieder von Wachstum in den Developed Countries ausgegangen werden. Getrieben wird dieses Wachstum von den USA und Japan.“ Im Hinblick auf das Wachstum des österreichischen Pharma-Markts 2013 verweist Sander in erster Linie auf den Krankenhausmarkt, welcher um 4,8% zulegte. Im Retailmarkt (+ 0,6%) ist der Wachstumstreiber OTC mit 9,2% ausschlaggebend, nicht-registrierte OTC-Präparate erfuhren eine Steigerung um 10,5%.[3] „Wachstumstreiber nach Indikationen sind im niedergelassenen Bereich die Therapiegebiete Antithrombotika,  Antiinfektiva, Vitamine bzw. Leberschutz. Im OTC-Markt, dem 16% des Retailmarktes zuzuschreiben sind, zählen zu den wachstumsstärksten Indikationen  Augenpräparate, Insektenabwehr, Haut- und Schleimmittel gegen Juckreiz. Die 4,8% Wachstum im Krankenhausmarkt wurden durch teure Präparate in den Indikationen Antineoplastika, Blut und blutbildende Organe sowie durch Antiinfektiva unterstützt“, so Sander.

„Parallelimporte nehmen im Krankenhaus einen immer höheren Stellenwert ein, wenngleich er vom Niveau her noch weit hinter den Marktanteilen von Deutschland liegt (6,1% Marktanteil in Österreich[4])“,  erklärt Sander. Im Generika-Markt, hier sind die USA, Brasilien und Deutschland führend[5], verhält es sich in Österreich mit einem Anteil von 30% (gemessen an den Standard Units) ähnlich.

„Österreich zeichnet sich trotz der Patentverluste dadurch aus, dass Originalpräparate nach Patentablauf ihre Marktanteile gut halten können, wenngleich sich dieser Trend verlangsamt, es zeichnet sich ein Generikawachstum von 9,9% ab“ [6] analysiert Sander. „Von 2014 bis 2016 werden in etwa 150 Mio. Euro aufgrund von Patentverlusten frei. Andererseits wird es auch einige Launches in den Spezialmärkten geben“ [7], so Sander weiter. Neben dem gesundheitspolitischen Umfeld hat der verschreibungspflichtige Sektor aufgrund der Patentabläufe, Generikaeintritte und einer spezialisierten Pipeline mit geringerem Umsatzpotenzial mit einem verlangsamten Wachstum zu kämpfen. „In vielen Ländern weltweit bieten diese Faktoren ein neues Umfeld und Möglichkeiten für OTC-Firmen sich neu zu positionieren und patentabgelaufene Moleküle für sich zu gewinnen; als sogenannte Switches. Für Österreich gilt dies nicht zwingend. Österreich liegt in einem Ranking der geswitchten Moleküle in der EU an vorletzter Stelle“ [8], erklärt Sander und gibt als Beispiel den PPI (Protonenpumpenhemmer ) Anteil an Antacita an, der in Österreich bei nur 11,7% liegt, im Vergleich dazu in Deutschland bei 24,7%  und in Frankreich bei nahezu 50%.„Großes Wachstumspotenzial ist in naher Zukunft durch die Launches in Spezialmärkten, aber auch bei Volkskrankheiten zu erwarten“, blickt Sander in die Zukunft. „Österreich ist im Hinblick auf den Pharma-Markt mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie der internationale Markt. Was den OTC-Markt betrifft, stößt man in Österreich allerdings auf einige Besonderheiten. Als Unternehmen muss man sich nicht nur der Herausforderung stellen, dass jeder österreichische Apotheker autonom handelt, sondern auch der Tatsache, dass im österreichischen Gesundheitssystem kein besonderer Fokus auf OTC-Produkte besteht“, schließt Sander.

Stellenwert von OTC-Switches in Österreich

Wird ein bisher verschreibungspflichtiges Arzneimittel oder ein Wirkstoff aus der Rezeptpflicht entlassen, so nennt man diesen Prozess „Switch“. Änderungen hinsichtlich der Rezeptpflicht eines Wirkstoffs werden in Österreich vom Ministerium für Gesundheit, Familie und Jugend bewilligt. Für Änderungen hinsichtlich der Rezeptpflicht eines Produktes ist das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) zuständig. [9]

„Österreich liegt hinsichtlich des Angebotes an rezeptfreien Wirkstoffen bzw Arzneimitteln deutlich hinter vergleichbaren Ländern“, erklärt Gerhard Lötsch zu Beginn und beschreibt auch die Ursache aus seiner Sicht: „Die Strukturen des Gesundheitssystems verhindern einen positiven Zugang zu Switches. Weder Ärzte noch Apothekerschaft haben hierzulande Interesse Switches voranzutreiben“. Als weitere Hemmschuhe nennt Lötsch den Versandhandel, der den Fernabsatz von rezeptpflichtigen Medikamenten gesetzlich verbietet, sowie das fehlende Verständnis staatlicherseits „Self Care“ als integralen Bestandteil eines modernen Gesundheitswesens zu entwickeln. Lötsch schreibt die geringe Anzahl an Switches in Österreich auch der Tatsache zu, dass sich die Rezeptpflichtkommission im März 2012 zur letzten Sitzung zusammengefunden hat und verweist auf die „nicht switch-freundliche“ Zusammensetzung der Kommission. Lötsch zeigt die Tatsache auf, dass Switchanträge nahezu ausschließlich von Seiten der Industrie und von der AGES eingebracht, aber von der Rezeptpflichtkommission mehrheitlich abgelehnt wurden.

Zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten

Der IGEPHA Präsident sieht drei wesentliche Entwicklungen als zukunftsweisend: Die zentrale Zulassung für ein OTC-Arzneimittel bei der EMA, die für ganz Europa einheitlich bindend ist und die gesteigerte Transparenz im Abgabeerhalten rezeptpflichtiger und rezeptfreier Arzneimittel durch die ELGA. „Positiv sehe ich die Eudravigilanz-Datenbank, die in absehbarer Zeit das Sicherheitspotential von OTC-Arzneimitteln klarer dokumentiert und oft sehr emotional dargestellte Gefährdungsszenarien sachlich widerlegen könnte.“ Lötsch appelliert weiter: „Druck kommt hoffentlich aus der Diskussion über das österreichische Gesundheitswesen selbst. Ohne Entlastung des intramuralen Bereiches können keine Kosten eingespart werden. Der aus dem Spital entlassene Patient soll im niedergelassenen ärztlichen Bereich seine Aufnahme finden. Das geht aber nur, wenn hier genügend Kapazitäten geschaffen werden. Diese Kapazitäten können dadurch geschaffen werden, dass ein gut informierter mündiger Patient in zahlreichen kleineren Befindlichkeits- und Gesundheitsstörungen die Initiative für sich selbst übernimmt und in der Apotheke den ersten Rat sucht und nicht die Wartezimmer füllt.“ Der abschließende Appell des IGEPHA-Präsidenten richtet sich an die Industrie: „Druck muss auch von Seiten der Industrie kommen. Es braucht nicht allzu viel, um einen Antrag bei der Rezeptpflichtkommission zu stellen, dabei sind Pharmakovigilanzdaten aus europäischen Ländern, in denen das Produkt schon rezeptfrei ist, extrem hilfreich für die Argumentation.“

Medikamenten-Switches im internationalen Vergleich

Dbw. Stefan König, Managing Direktor von Takeda Pharmaceuticals Austria, betrachtet das Thema Medikamenten-Switches von Seiten seiner langen beruflichen Erfahrung auf dem internationalen Pharma-Markt und bezeichnet Österreich im internationalen Vergleich als „kein Switch-freundliches Land“. Für König stellt sich im österreichischen Kontext die Frage, wie man im Sinne der Gesundheitsreform die breite Öffentlichkeit dazu anhalten kann, einen Beitrag zur eigenen Gesundheit zu leisten und somit auch das System zu entlasten. König hält in diesem Bereich die Rolle der Apotheker im Gesundheitssystem für entscheidend. Dies untermauert er durch das Beispiel der in England entwickelten Primary Health Care Center und dem dort funktionierenden System „Best point of Service“, welches sich im Zuge der Gesundheitsreform auch für Österreich in Umsetzung befindet. In England übernehmen Apotheker bereits Aufgaben, die in Österreich zum Großteil noch von Krankenhäusern bzw. dem niedergelassenen Bereich geleistet werden. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Aufgaben der österreichischen Apotheker im Sinne der Gesundheitsreform rasch ausgebaut werden sollten und das System so durch weniger Arztbesucher und effizientere Patientenansprache entlastet werden kann.“

 

Information Bildmaterial:

(v.l.n.r.):
Dbw. Stefan König, Managing Director Takeda Pharmaceuticals Austria / Mag. Erika Sander, Senior Manager Commercial IMS HEALTH Austria / Dr. Gerhard Lötsch, Präsident IGEPHA, Geschäftsführer der Novartis Consumer Health – Gebro GmbH

© PMCA, Abdruck honorarfrei

Über den PMCA

Der Pharma Marketing Club Austria ist eine Diskussions- und Kommunikations-Plattform für alle Teilnehmer am Gesundheitsmarkt. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 bietet der PMCA seinen Mitgliedern regelmäßige Impulse, Workshops und Exkursionen an, die Weiterbildung, Diskussionen und Know-How Transfer ermöglichen. Mittlerweile profitieren über 450 Mitglieder vom regen Wissensaustausch sowie dem Networking und erfahren die neuesten Trends auf dem Gesundheitsmarkt aus erster Hand. Nähere Infos unter www.pmca.at.

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Lazarettgasse 19/OG 4, 1090 Wien, Tel.: 01/402 13 41-40 oder -12
E-Mail: presse@pmca.at

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.


[1] IMS Health Market Prognosis, September 2013

[2] IMS DPMOE/DPMOEK 2013 12

[3] IMS DPMÖ, DPMÖ, OTC MAT 12/2013

[4] IMS DPMÖK MAT 12/2013

[5] IMS Health MIDAS DEC 2013. MAT values. Ethical Restricted. Market Segmentation Date l Chountries without China

[6] IMS TOTA 12/2013

[7] IMS DPOE 2013 12

[8] IMS OTCims, MAT 2009

[9] http://www.igepha.at/de/switch