PMCA Impuls-Report / 16.2.2015 / Der Pharmamarkt in Zahlen 2014 & ePhysician Monitor

PMCA Impuls-Report / 16.2.2015 / Der Pharmamarkt in Zahlen 2014 & ePhysician Monitor

Der PMCA-Impuls am 16. Februar widmete sich den Trends und den raschen Entwicklungen des österreichischen Pharmamarktes. Mag. Erika Sander (IMS Health) präsentierte die maßgeblichen Entwicklungen und Wachstumstreiber des österreichischen Pharmamarktes im internationalen Vergleich und gab einen Ausblick auf die aktuellen Markttrends. Im zweiten Vortrag des Abends gab Dr. Fritz Höllerer (Aeskulapp Mobile GmbH) in seiner Präsentation des „ePhysician Monitor 2014“ Einblicke in das Nutzerverhalten, den Stellenwert und die Akzeptanz neuer, digitaler Medien bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Gleichzeitig wurde aus der Untersuchung klar, welches Potential für neue Medien zur Vermittlung von Informationen, Argumenten und Konzepten in der befragten Zielgruppe besteht.

Grober Überblick zum Pharmamarkt 2014 (*bewertet zum FAP – Fabriksabgabepreis)

  • Weltweit hat der Pharmamarkt die Marke von 1 Billion US-Dollar überschritten
  • Der Umsatz* des österreichischen Pharmamarktes steigt auf 3,4 Mrd. Euro / Wachstumsrate von +5% (+0,1% in Volumen)
  • Der Umsatz* im Krankenhausmarkt erhöhte sich um +4,9%, die Menge nach Verbrauch um +2,8%
  • Der Retailmarkt blieb stark, mit einem Umsatzwachstum von +5% (-0,1% Volumen)
  • Der OTC-Markt wuchs um 8,4%

Neue Wege am Pharmamarkt in einer komplexen Marketing-Umwelt
Mag. Erika Sander erläuterte in ihrem Vortrag die essentiellen Veränderungen am Markt: „Die Märkte differenzieren sich, es gibt mehr Spezialisierung, der Einsatz neuer Technologien nimmt zu. Viele Unternehmen bilden Allianzen, und/oder Kooperationen, indem sie andere Unternehmen aufkaufen oder Diversifikation in Bereichen etablieren, die nicht unbedingt ihr ureigenes Kerngeschäft sind.“ Der globale Pharmamarkt ist im Wachsen begriffen, Wachstumstreiber sind Spezialmärkte mit hochentwickelten Produkten und Präparaten für z.B. Hepatitis-C: 2018 werden in den USA ca. 500.000 Patienten mit Hepatitis-C-Präparaten behandelt werden. Die zunehmend auf den Markt kommenden Biosimiliars werden die Kosten in den USA etwas dämpfen.

Neue Spielregeln am Markt
Viele Faktoren und Entwicklungen verändern die Rahmenbedingungen im Pharmamarkt, die Größe eines Unternehmens spielt nicht mehr die ausschlaggebende Rolle. Die Erfolgsfaktoren und der Zugang werden zunehmend anhand neuer Bewertungskriterien gemessen. „Die Ergebnisse der Patientenzufriedenheit definieren den Wert und die Chancen für den Marktzugang, diese ‚Real-World-Evidence‘ spiegelt sich in den Erfolgschancen wider“, so Sander. Der Pharmamarkt befindet sich im Umbruch. Durch die Entwicklung von neuen Deals in der Branche positionieren sich Firmen neu. Zusammenschlüsse und Übernahmen erfolgen nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten, sondern tragen durch Diversifikation und Differenzierung zu einer Erweiterung des Portfolios als auch zu einer Ausdehnung des geographischen Marktes und zur strategischen Ausrichtung bei.

Der österreichische Pharmamarkt – Global und national gesehen
„Der globale Markt wird für 2018 auf ein Volumen von 1,3 Billion US-Dollar geschätzt. Obwohl Österreich durch das stärkere Wachstum in den Pharmerging-Markets global an Position verliert und aus den Top 30 fällt, wächst seine Position in Europa zusehends – Österreich wird 2018 Platz 11 belegen“, gibt Sander einen Ausblick auf die Zukunft. Das Wachstum in Europa ist getrieben von den Märkten Deutschland und UK. Der österreichische Markt verbucht 2014 ein Gesamtwachstum von +5% (+0,1% Volumen), dazu trugen großteils Hepatitis-C-Präparate und hochpreisige Nischenprodukte bei.

Die Marktsegmente und ihre Wachstumstreiber im Detail
Der Bereich Retail (exkl. Direktlieferungen) wuchs 2014 um +5% (-0,1% Volumen). Das negative Volumenwachstum reflektiert die „verzögerte“ Erkältungs-, Grippewelle, welche erst mit Jahresbeginn 2015 durchschlägt. Wachstumstreiber sind Hepatitis-C-Präparate, die mit 3,3% nach Wert zum Wachstum beitragen, sowie SGLT2-Hemmer aus der Gruppe der Antidiabetika und Anti-TNF Produkte.
Der OTC-Markt wächst um +8,4%, wobei vor allem der Umsatz mit nicht-registrierten Produkten weiterhin, wenngleich verlangsamt, wächst (+10,5%) und derzeit bei einem Anteil von 16,7% am Gesamt-Retailmarkt hält.
Der Umsatz mit Arzneimitteln im Krankenhaus erhöht sich 2014 um +4,9%. Die Menge nach Verbrauch wächst um +2,8%. Dieses Wachstum hat seinen Ursprung in einer Volumensteigerung bei Lipidregulatoren, Betablockern und Angiotensinen. Am meisten tragen Zytostatische Hormonantagonisten, Kortikosteroide für die Augenheilkunde und systemische Antipsoriatika zur Entwicklung im stationären Bereich bei.
Parallelimporte sind im Vergleich zum letzten Jahr signifikant zurückgegangen und machen derzeit 2,5% des Krankenhausmarktes aus, der mengenmäßige Anteil beläuft sich auf 0,2%.

Generika auf dem Vormarsch
2014 waren Originalprodukte mit 68% am Gesamtvolumen des österreichischen Pharmamarktes beteiligt, selbst nach Auslaufen des Patents erwirtschaften diese immer noch einen Großteil des Volumens (über 55% – gemessen in Standard Units). Dazu Sander: „Dies liegt in Österreich in erster Linie an der negativ Preisspirale, welcher Originalpräparate beim Eintritt von Generika unterliegen.“

Krankenhausmarkt in Österreich zunehmend wichtiger
Bei einem Vergleich des stationären Marktes mit dem Retailmarkt lassen sich folgende Tatsachen festhalten: Der Retailmarkt stagniert durch Patentausläufe, die nicht von neuen spezialisierten Produkten aufgefangen werden. Die umgesetzte Menge an Arzneimitteln steigt nur moderat. Zuwächse ergeben sich hauptsächlich aus dem Verkauf von Hepatitis-C-Präparaten. Der Krankenausmarkt ist durch die Ausgabensperre von 2009 gedämpft, das Wachstum getrieben von neuen Arzneimitteln im Bereich der Onkologie – mit 35% absolutem Wachstum – und anderen ähnlich hochpreisigen Produkten. 2014 hat sich der Verbrauch im Krankenhaus wieder auf ein Volumen vergleichbar mit dem Jahr 2012 eingependelt.

Preis vs. Wert als größte Herausforderung für Pharma in entwickelten Märkten
Klinischer Benefit ist nicht der einzige Faktor, der den Preis beeinflusst. Dazu Sander: „Auch die Steigerung der Lebensqualität der Patienten sowie die Linderung von Symptomen schaffen wirtschaftlichen Mehrwert für ein Produkt. Regional unterschiedliche ‚Standards of Care‘ und das Patientenverhalten beeinflussen das Nutzenversprechen zusätzlich sowie auch untermauerndes Datenmaterial, das zunehmend besser nutzbar wird und künftig in der Kommunikation mit dem Gesundheitssystem eine wichtige Rolle spielt.“ Die Empfehlung lautet: National denken, aber lokal investieren und Trends des modernen Marktverhaltens (Real World Evidence, Compliance und Adherence etc.) in Gesamtkonzepte einarbeiten.

Patienten bereits im digitalen Zeitalter angekommen – wo stehen die Stakeholder?
Patienten informieren sich über ihre Gesundheit zunehmend über digitale Quellen. Digitalisierte Kommunikation und ein vernetztes Kommunikationsverhalten stellen sowohl die Pharmafirmen als auch die Politik vor Herausforderungen. „Die Entwicklung und kostenlose Bereitstellung von Technologien die unsere Patienten im gesunden Altern unterstützen, schreiten rasch voran. 14% der Gesamtausgaben für Gesundheit könnten alleine durch die Verbesserung von Adherence und Compliance erzielt werden, die von neuen Technologien maßgeblich unterstützt werden können.“ Die Abschlussfrage lautet: Wie weit sind die Gesundheitsberufe in Österreich mit neuen Technologien vertraut? Diese Frage wurde im zweiten Teil des Abends erläutert.

Nutzung und Stellenwert neuer Medien bei Allgemeinmedizinern – ePhysicianMonitor 2014
Dr. Fritz Höllerer, Geschäftsführer der Aeskulapp Mobile GmbH und selbst ausgebildeter Mediziner, widmet sich dem Thema neuer Medien im Behandlungsalltag bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Der ‚ePhysicianMonitor 2014‘ ist eine rezente Untersuchung, die von Aeskulapp Mobile in Zusammenarbeit mit medupha durchgeführt wurde. Dazu wurden 2014 zwischen November und Dezember 80 Allgemeinmediziner befragt. Die Erkenntnisse der Untersuchung: „Neue Medien gewinnen zunehmend. Die durchschnittliche Nutzungshäufigkeit des Internets im beruflichen Alltag liegt bei 59%. Aus allen Suchanfragen wird am häufigsten nach Detailinformationen zu Medikamenten (49%) sowie zu Indikationen, Therapieoptionen oder Leitlinien (34%) gesucht. Dabei werden verschiedene Informationskanäle genutzt. Die größte Relevanz besitzen medizinische Webseiten, nationale Fach-Printmedien und Mobilapplikationen“, so Höllerer. Durch den leichten Zugang und die ständige Verfügbarkeit des Internets, nutzen Ärzte dieses häufig als erste Anlaufstelle zur klinischen Entscheidungshilfe.

Digitale Fortbildung wird regelmäßig genutzt
Digitale Serviceleistungen zu medizinisch-fachlichen Zwecken werden regelmäßig genutzt. Fortbildungsangebote, die online abgewickelt werden können, werden von 54% der Befragten regelmäßig in Anspruch genommen. Auch Apps für Smartphone oder Tablets werden von 40% regelmäßig genutzt. ‚Social Media‘ spielen für den beruflichen Austausch zwischen Kollegen keine Rolle – 81% der Befragten gaben an, sich nicht über Social Media oder Online-Communities zusätzliche Informationen zu holen oder sich auszutauschen.

Keine Weiterempfehlung durch den Arzt
Auch wenn digitale Services im Ansehen und im Berufsalltag von Ärzten zunehmen: „67 Prozent der Befragten erwähnen diese nicht aktiv im Gespräch mit dem Patienten oder geben keine Empfehlung für digitale Gesundheitsservices ab“, so Fritz Höllerer abschließend.
ÜBER DEN PMCA
Seit seiner Gründung stellt der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) eine Plattform mit dem Schwerpunkt “Marketing im Gesundheitswesen” für Agenturen, Pharmafirmen, Verlage, Dienstleister und andere medizin-orientierte Unternehmen dar. Der PMCA bezeichnet sich selbst als „Netzwerk des Wissens“ und hat sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen und Trends für den Gesundheitsmarkt aufzuspüren und Impulse zu setzen, aber vor allem die einzelnen Marktteilnehmer miteinander zu vernetzen. 2015 feiert der Pharma Marketing Club Austria sein 20-jähriges Bestehen.
Rückfragehinweis:

logo_welldone_250x31

Welldone Werbung und PR GmbH
Mag. (FH) Martina Dick | Public Relations
Lazarettgasse 19/OG 4, 1090 Wien, Tel.: 01/402 13 41-40
e-Mail: presse@pmca.at

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.