PMCA Impuls-Report / 14.10.2013 / Die Umsetzung der Gesundheitsreform

PMCA Impuls-Report / 14.10.2013 / Die Umsetzung der Gesundheitsreform

Die Umsetzung der Gesundheitsreform – wie die Zielsteuerung auf Bundes- und Landesebene zusammenwirkt

Die bundesgesetzlichen Grundlagen für die Gesundheitsreform sind in Kraft getreten, der Bundes-Zielsteuerungsvertrag ist verabschiedet. In Wien und Oberösterreich wurden bereits die ersten Landes-Zielsteuerungsverträge abgeschlossen, weitere Bundesländer werden in den nächsten Wochen folgen. Damit nimmt die konkrete Umsetzung der Gesundheitsreform Fahrt auf.

(Wien, 15. Oktober 2013) – Den nun folgenden Schritten der Umsetzung der Gesundheitsreform und ihren zu erwartenden Auswirkungen, widmete der PMCA seinen letzten Impuls des Jahres 2013. Mag. Georg Ziniel, MSc, Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH und Mag. Dr. Klaus Schuster, MSc, MBA, Abteilungsleiter Wissenschaft, Forschung, Lehre und Strukturentwicklung in der NÖ Landeskliniken-Holding, stellten dem Publikum die Zieldefinition, die nächsten Schritte der Umsetzung und die geplanten Monitoring Maßnahmen vor.

Ausgangslage und Prinzip Gesundheitszielsystem

Das österreichische Gesundheitssystem, in der Bevölkerung hoch angesehen, ist ein komplexes und heterogenes System. Lange Zeit wurde über die Kritikpunkte diskutiert – mit dem Masterplan Gesundheit, den Rahmengesundheitszielen und der Gesundheitsreform wurden die wichtigsten strukturellen und prozessualen Schwächen des Gesundheitssystems aus Sicht der Patienten festgestellt, mögliche Lösungsansätze aufgezeigt und folgende Prioritäten erarbeitet: Priorität auf Gesundheitsförderung und Prävention, Versorgung unter Wahrung höchstmöglicher Qualität und bestem Ergebnis, Kontinuität in der Behandlung (auch zwischen den Sektoren) sowie die Sicherstellung der langfristigen Finanzierbarkeit. Daraus leiten sich die Gesundheitsziele und Finanzziele, die erstmalig gleichwertig nebeneinander stehen, ab. Das Globalziel lautet: Zwei gesunde Lebensjahre mehr in den nächsten 20 Jahren. Dies gilt es unter dem Dach des Gesundheitszielsystems (Rahmen-, Bundes- und Landesgesundheitsziele) zu planen und zu erreichen. Neu ist die Ergebnisorientierung an den Gesundheitszielen als Bezugsrahmen für die Feststellung der passenden Versorgungsprozesse und Versorgungsstrukturen. Das leitende Prinzip lautet Best point of Service. Die Nachhaltigkeit der Finanzierung basiert auf den vereinbarten Ausgabenobergrenzen und -dämpfungseffekten. Ziel ist eine stufenweise Annäherung des Zuwachses der öffentlichen Gesundheitsausgaben an die BIP-Mittelfristprognose von +3,6 Prozent. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben sollen damit etwa im Jahr 2016 statt 26,85 nur noch 25,56 Mrd. Euro betragen. Die kumulierte Einsparung bis dahin ist mit 3,43 Mrd. Euro (2,058 Mrd. Euro für die Länder, 1,37 Mrd. Euro für die Sozialversicherung) angepeilt.

Kerninhalte der Zielsteuerung

Durch die Verlagerung zum Best point of Service soll eine Entlastung des akutstationären Bereiches stattfinden, die Konzeption innovativer Versorgungsformen forciert werden und der Aufbau von Versorgungsstufen in der Primärversorgung, mit definierten Rollen und Verantwortungen erreicht werden. Ein weiterer Kerninhalt ist die transparente Darstellung von Qualität im stationären und niedergelassenen Bereich sowie die bereits besprochene Dämpfung des Ausgabenwachstums um die Finanzierbarkeit nachhaltig zu sichern. Ziniel hebt die Ergebnisorientierung hervor: „Primär soll die Zahl der gesunden Lebensjahre und die Lebensqualität der Patienten erhöht werden. Dabei muss die Behandlungsqualität sichergestellt werden durch routinemäßige Messungen und Transparenz, die Patientensicherheit und Gesundheitskompetenz gestärkt werden, sowie Messungen über die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem in der Bevölkerung durchgeführt werden.“ Die nächsten Schritte sind der Abschluss aller Landes-Zielsteuerungsverträge, der Abschluss der Jahresarbeitsprogramme, die Etablierung der Gremien sowie der Beginn der gemeinsamen Umsetzung und des Monitorings ab 2014.

Entscheidungsstrukturen und –organisation (Gesundheitssystemsteuerung)

Die Zielsteuerung-Gesundheit ist ein zielbasiertes, koordiniertes und ko-operatives Steuerungssystem zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung, das durch Bundes- und Landes-Zielsteuerungskommissionen auf der Grundlage von Zielsteuerungsverträgen und Jahresarbeitsprogrammen umgesetzt wird.

Die Bundes-Zielsteuerungskommission arbeitet nach dem Einstimmigkeitsprinzip, mit je vier Vertretern aus Bund, Ländern und Sozialversicherung. Zu den Aufgaben gehören u.a. die Beratung und Empfehlung des Bundes-Zielsteuerungsvertrages, die Koordination und Festlegung aller Aufgaben aus dem Bundes-Zielsteuerungsvertrages, die Festlegungen zu den Jahresarbeitsprogrammen, die Angelegenheiten des Monitorings, Berichtswesens und Sanktionsmechanismus, die Angelegenheiten des Finanzierungs- und Verrechnungsmechanismus, die Erprobung von Modellen der Finanzierung, die Weiterentwicklung von Vergütungssystemen, die Angelegenheiten der Qualität und die Angelegenheiten ÖSG (Österreichischer Strukturplan Gesundheit).

Die Landes-Zielsteuerungskommission arbeitet im Einvernehmen zwischen der Kurie des Landes (5 Vertreter), der Kurie der Sozialversicherung (5 Vertreter) und dem Bund (1 Vertreter). Es besteht ein Vetorecht des Bundes bei rechtswidrigen Beschlüssen. Zu den Aufgaben zählen u.a. die Beratung und Empfehlung des Landes-Zielsteuerungsvertrages, die Koordination und Festlegung aller Aufgaben aus dem Landes-Zielsteuerungsvertrag, die Festlegungen zu den Jahresarbeitsprogrammen, die Mitwirkung am Monitoring, die Umsetzung des Finanzierungs- und Verrechnungsmechanismus sowie von Modellen der Finanzierung, die Angelegenheiten RSG (Regionaler Strukturplan Gesundheit) sowie die Angelegenheiten des Gesundheitsförderungsfonds.

Qualitätsorientierung im Sinne der Patienten

Mag. Dr. Klaus Schuster beschreibt die Zusammenwirkung der Zielsteuerung auf Bundes- und Landesebene aus Sicht der NÖ Landeskliniken und hebt dabei die Qualitätsorientierung der Gesundheitsreform hervor: „Ein großer Schwerpunkt der Verhandlungen war das Thema Qualität. Gemeinsam werden zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung Maßnahmen zur Patientensicherheit und Qualitätsförderung vereinbart.“ Die wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung einer qualitätsvollen Versorgung sind die Best point of Service (Versorgung der Patienten zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort mit optimaler medizinischer und pflegerischer Qualität), das Modell Primary Health Care (Ausbau und Sicherung des niederschwelligen Zugangs zur bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung und deren hohe Qualität), interdisziplinäre Versorgungsmodelle (Forcierung der Einrichtung von multiprofessionellen und integrativen Versorgungsformen auf allen Versorgungsebenen) sowie eine integrierte Versorgung (Verbesserung der sektorenübergreifenden Gesundheitsversorgung durch die Optimierung von Organisationsabläufen und der Kommunikation an den Nahtstellen wie z.B. Rehabilitation, Pflegebereich, etc.). Abschließend erläutert Schuster: „Die Umsetzung der Gesundheitsreform auf Landesebene ist nur in Zusammenarbeit, gemeinsam mit den verschiedenen Leistungsanbietern, möglich. Durch eine abgestufte Versorgung mit klaren Versorgungsaufträgen und Rollen, auf allen Ebenen gelebtem Qualitätsmanagement, sinnvoller Nutzung moderner Technologien und der Ressourcen kann ein Patienten-orientiertes Gesundheitssystem zum Wohle der Patienten weiterentwickelt werden und finanziell abgesichert leistbar bleiben.“

Neu ist auch die zehn Mitglieder umfassende Medikamentenkommission (drei Vertreter der Sozialversicherungen, drei Vertreter der Länder, drei ausgewiesene Experten des Arzneimittelwesens bestellt durch den Bundesminister für Gesundheit und ein Vertreter des BM für Gesundheit, der den Vorsitz führt). Die Aufgaben der Medikamentenkommission sind Empfehlungen zum Einsatz von Medikamenten (intramural/extramural). Die Empfehlungen haben dabei auf den „Best point of Service“ abzuzielen und insbesondere auf medizinisch-therapeutischen, gesundheitsökonomischen und versorgungstechnischen Gesichtspunkten zu beruhen, um so die größtmögliche Servicequalität sicherzustellen.

 

Information Bildmaterial:

(v.l.n.r.): Klaus Schuster (NÖ Landeskliniken-Holding), Ines Windisch (PMCA), Georg Ziniel (GÖG), Hanns Kratzer (PMCA)
© PMCA, Abdruck honorarfrei

Über den PMCA

Der Pharma Marketing Club Austria ist eine Diskussions- und Kommunikations-Plattform für alle Teilnehmer am Gesundheitsmarkt. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 bietet der PMCA seinen Mitgliedern regelmäßige Impulse, Workshops und Exkursionen an, die Weiterbildung, Diskussionen und Know-How Transfer ermöglichen. Mittlerweile profitieren über 450 Mitglieder vom regen Wissensaustausch sowie dem Networking und erfahren die neuesten Trends auf dem Gesundheitsmarkt aus erster Hand. Nähere Infos unter www.pmca.at.

Rückfragehinweis:

Welldone Werbung und PR GmbH
Mag. (FH) Martina Dick | Mag. Elisabeth Kling | Public Relations
Lazarettgasse 19/OG 4, 1090 Wien, Tel.: 01/402 13 41-40 oder -12
E-Mail: presse@pmca.at

 

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.